Sr. Majestät,
dem
KÖNIG CHRISTIAN DEM ACHTEN,
VON DÄNEMARK,
in tieffster Ehrfurcht gewidmet.
Dem Dichter ist es an- und eingeboren,
Daß er sich lange in sich selbst versenkt,
Und, in das inn're Labyrinth verloren,
Des äußeren der Welt erst spät gedenkt;
Und dennoch hat ihn die Natur erkoren1
Zu zeigen, wie sich dieß mit dem verschränkt2,
Und es in klarem Bilde darzustellen3,
Wie beide sich ergänzen und erhellen.
Denn nicht, wie wohl ein ird'scher Künstler, spielend,
Wenn er zurück von seiner Tafel trat,
Dem Lieblingskind, das, lüstern darnach schielend4,
Schon längst ihn still um seinen Griffel5 bat,
Ihn freundlich darreicht, auf nichts And'res zielend,
Als daß es, träumend von gewalt'ger That,
Sein Meisterstück in todten, groben Zügen
Nachbilde, wie es kann, sich zu vergnügen;
Nur, mit sich selbst, in's Einzelste zerfließend6,
Sich endlich auch doch concentriren muß,
Und, in dem Theil als Ganzes sich genießend7,
Den Anfang wieder finden in dem Schluß,
Der, sich mit der Idee zusammen schließend,
Ihr erst verschafft den höchsten Selbstgenuß8,
Den alle unter'n Stufen ihr verneinen:
Rein, ganz und unverworren9 zu erscheinen;
Nur darum hat sie, statt ihn zu zerbrechen,
Dem Menschen ihren Zauberstab vertraut,
Als sie, bereit, ihr: es ist gut! zu sprechen,
Zum letzten Mal das Weltall überschaut,
Und dieser stellt nun, das Gesetz zu rächen
Am plumpen10 Stoff, dem ewig davor graut,
In den geschloßnen ersten Kreis den zweiten,
Wo sie nur noch harmonisch sich bestreiten.
Und, Anfangs schauernd vor der hohen Gabe,
Wird sich der fromme Künstler bald bewußt,
Daß er zum Dank sich selbst zu opfern habe,
Und steigt nun tief hinab in seine Brust;
Er fragt nicht, ob ihn auch die Nacht begrabe,
Er geht, so weit er kann, in banger Lust,
Und führt sein Narr im Wappen11 die Versöhnung12,
Er hofft nur kaum auf sie, wie auf die Krönung!
Doch, wenn er lange so den rothen Faden
Aus sich hervor spinnt, der ihn führen kann,
So wird er plötzlich durch den Geist geladen:
Nun lege ihn in der Geschichte an!
Dieß ist ein wahrer Ruf von Gottes Gnaden,
Und wer nicht folgt, der zeigt, daß er zerrann!
Ich habe vorlängst13 diesen Ruf vernommen14,
Da hab' ich nicht gesäumt, ich bin gekommen.
Und wie mein Blick sich lenkte in das Weite,
War mir auch flugs die Sehnsucht15eingeflößt16,
Die äuß're Welt zu schau'n in ihrer Breite,
Allein der Mittel sah ich mich entblößt17.
Doch gleich stand mir ein Genius zur Seite,
Und von der Scholle ward mein Fuß gelös't,
Und was dieß hieß, das kann ich jetzt erst wägen,
Wo sich zur Frucht verdichten will der Segen.
Du warst es, Herr und Fürst! Laß' Dir's gefallen,
Daß ich zum Danke jetzt dieß kleine Bild,
Vielleicht das einfach-schlichteste von allen,
Worin sich mir das Welt-Geschick18 enthüllt,
Dir bringe, und, wenn sich's für Königs-Hallen
Auch schlecht nur eignet, sey ihm dennoch mild!
Es ist des neuen Frühlings erstes Zeichen,
Und als das erste durfte ich's Dir reichen!